Mit Kernkraft geht es nicht

Es ginge „nicht ohne Kernkraft“, behauptet also SVP-Energieminister Albert Rösti, der vor seiner Wahl als Bundesrat wie kein anderer in Lobby-Mandate verwickelt war, u.a. als Präsident des Atomlobby-Verbands AVES.
Replik zum NZZ-Interview mit Energieminister Rösti in der NZZ vom 9.11.2025

Es ginge „nicht ohne Kernkraft“, behauptet also SVP-Energieminister Albert Rösti, der vor seiner Wahl als Bundesrat wie kein anderer in Lobby-Mandate verwickelt war, u.a. als Präsident des Atomlobby-Verbands AVES. Allein diese Historie lässt Zweifel an seiner Unterstellung aufkommen. Dazu verstrickt er sich im NZZ-Interview heillos in Ungereimtheiten:

„Die modernen «Small Modular Reactors» dürften in den nächsten fünf Jahren weltweit praxistauglich werden.“ Damit widerspricht er den Expert:innen der Energiekommission der Schweizer Akademien der Naturwissenschaften, SCNAT, die selbst bei einer Aufhebung des bestehenden AKW-Neubauverbotes eine Inbetriebnahme eines neuen AKW kaum vor 2050 für möglich halten.

Wären die von Rösti in den Raum gestellten fünf Jahre auch nur ansatzweise realistisch, verwundert es umso mehr, dass er die Frage nach Kosten, wirtschaftlichen Risiken oder gar finanzieller Unterstützung über öffentliche Kassen als verfrüht abwehrt. Womöglich liegt genau da der Hase im Pfeffer.

Die SCNAT belegt in einer aktuellen Studie, dass sich AKW-Neubauten ohne Subventionen, Staatsgarantien und vergünstigte Haftpflicht-Konditionen nicht rechnen. Blockt Rösti diese heiklen Fragen ab, weil es mit ihm als Lobby-Verbündeten in der Regierung möglich wäre Gesetze auf den Weg zu bringen, die das Geld der Steuerzahlenden in die Taschen der Atominvestoren fliessen lassen?

An anderer Stelle räumt er ein, dass der Ausbau der Wasser-, Solar- und Windenergie unter seiner Ägide zu langsam vorangeht: „Was bleibt übrig? Gas kommt klimapolitisch nicht infrage, und auf Importe können wir uns nicht verlassen. Da bleibt nur die Kernkraft.“ Als würde die NZZ-Leserschaft den Widerspruch nicht bemerken. Nein, auf Importe kann man sich nicht verlassen. Wie unterkomplex ist es dann, auf eine Technologie zu setzen, deren komplette Lieferkette vom Uranabbau, Konversion, über Brennelemente-Fertigung, Kraftwerksbau, Finanzierung, Wartung, Rückbau, Atommüll-Entsorgung etc. mehr und mehr vom russischen Staatskonglomerat Rosatom und seinen rund 450 Tochterfirmen dominiert wird? Auch die diversen SMR-Start-ups, die noch nicht so schnell von der Bildfläche verschwunden sind, wie sie aufgetaucht sind, sind an empfindlichen Stellen von hochproblematischen Regimen abhängig.

Als prominentes Beispiel für die Unzuverlässigkeit von SMR-Startups sei das von Atom-Investor Daniel Aegerter promotete Nuklear-Startup „Transatomic Power“ genannt, das Pleite ging, als seine heillos überzogenen Versprechen aufgeflogen waren. Seine Familie ist eine – nicht nur monetär – treibende Kraft hinter der „Blackout-Initiative“.

Unterdessen lässt sich an den bestehenden Schweizer Altmeilern studieren, was ein Klumpenrisiko ist. Für Gösgen ist ein 9-monatiger Atomausfall prognostiziert. Beznau 1 stand schon 3 Jahre am Stück still. Diverse Ausfälle der ältesten Reaktorflotte der Welt sind sicher zu verschmerzen, solange der Grund nicht ein katastrophaler Unfall ist. Intelligenter wäre es, zügig den Ausbau der heimischen Regenerativen voran zu bringen – nicht nur in Sonntags-Reden, sondern real. 

Für den Trinationalen Atomschutzverband TRAS

Balthasar Glättli, TRAS-Präsident

Prof. Dr. Jürg Stöcklin TRAS-Ehrenpräsident

Dr. Rudolf Rechsteiner, TRAS-Vize-Präsident CH

Stefan Auchter, TRAS-Vize-Präsident D

Claude Ledergerber, TRAS-Vize-Präsident F

Sowie die Vorstandsmitglieder

Dr. Eva Stegen

Suzanne Rousselot

Axel Mayer

Andreas Fischer

Für die TRAS-Mitglieds-Organisation IPPNW

Dr. Angelika Claussen

Dr. Claudia Richthammer

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